20101017

In das Land der bunten Tiere

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Es war einmal eine kleine Altwarenverkäuferin. Sie mochte ihre Tätigkeit und ihren kleinen Laden sehr. Sie konnte zwar nicht viel darin zum Verkauf ausstellen – weil er so klein war – aber nachdem sie selbst auch so klein war, brauchte sie auch verhältnismäßig wenig zu leben. Das dachte sie sich so. Bei ihren Kunden war sie dafür bekannt, immer faire Preise zu vergeben. Wenn ihr jemand sehr sympatisch war, schenkte sie oft auch ein Stück her. Sie war immer sehr bedacht darauf, ein guter Mensch zu sein und hatte ein gutes Gefühl dafür, was zu ihren Kunden passte. Auch im Verkaufsgespräch hatte sie viel Einfühlvermögen, sodass ihr Geschäft gut lief.

Eines Tages bemerkte sie mit Schrecken, dass ihr ein hässlicher schwarzer Wurm aus dem Kopf wuchs. Sie ekelte sich davor und ging sofort zum Arzt, doch der konnte ihr nicht helfen. Er sah den Wurm nämlich nicht. Niemand sah den Wurm. Das verstörte die Altwarenverkäuferin sehr. Für lange Zeit versuchte sie einfach, mit dem Wurm zurecht zu kommen, doch er wurde immer größer und war ihr immer mehr im Weg, stieß gegen die nah bei einander liegenden Ecken und Kannten in dem kleinen Altwarengeschäft. Immer wenn sie sich in den Spiegel sah – und sie hatte einige alte Spiegel an den Wänden ihres winzig kleinen Geschäfts hängen – ekelte sie sich gewaltig. Der Ekel wurde jedoch mit der Zeit schwächer. Niemand sah den Wurm und bald beachtete sie selbst ihn auch nicht mehr so viel.

Irgendwann betrat eine Frau mit Haaren weiß wie frisch gefallener Schnee ihren Laden. Die Weiße starrte der Altwarenverkäuferin lange auf ihren schwarzen Wurm. Die kleine Frau war schon daran gewöhnt, dass die Menschen durch ihren Wurm hindurchsahen und dachte, es wäre mit diesem erschrockenen Blick das konstruktivistische Gemälde mit dem schwarzen Quadrat gemeint, welches über dem Verkaufspult an dem die kleine Händlerin stand, angebracht war. "Gefällt es ihnen nicht? Es ist aber echt. Ich würde Ihnen einen guten Preis machen." sprach sie die Kundin wie gewohnt an. "Dieses grässlich schwarze Ding soll ich haben wollen? Das können sie behalten." Die Altwarenverkäuferin wunderte sich nicht wenig, denn sie liebte dieses Bild, das über ihrem Kopf angebracht war, sehr. Sie hatte ein ganz ähnliches auch über ihrem Bett hängen. Doch die weiße Frau kaufte lediglich ein handgeschliffenes Teeglas und verließ bald wieder den Laden.

Drei Jahre später betrat ein Mann in einem rosa Paillettenkleid den Laden. Er musste sich ducken, weil er größer war, als der Raum. Die Altwarenverkäuferin stapelte gerade die alten Hocker und Tische platzsparend entlang der Wand übereinander. Einen besonders schönen Tisch - schwarz-weis karriert - stellte sie ganz nach oben, damit man ihn gut sehen konnte. Der rosa Mann sah ihn sofort, da er sich in seiner schräg liegenden Augenhöhe befand. Gerade als sie von der Leiter abstieg sprach der Mann sie an: "Wenn sie das schwarze Ding da anmalen, fällt es nicht so auf. So mache ICH es." Die kleine Frau verstand nicht, worum es dem rosanen Mann ging. Der Tisch war doch schön so wie er war und deswegen sollte er ja auffallen, damit ihn die Leute kauften. Der Mann meinte, dass es ihm nicht um den karrierten Tisch ging. Das Missverständnis klärte er jedoch nicht auf. Er kaufte eine Federboa so rosa wie sein Kleid und ging durch die Tür nach draußen. Die Händlerin dachte kurz an die weiße Frau und wunderte sich nicht minder, über diese Begegnung.

Tausende von mehr oder weniger kauffreudigen Kunden später betrat eine gestresste Stewardess das Geschäft. Auf ihrem feuerroten Haupt trug sie einen genauso roten Hut, sie hatte eine rote Bluse an, ein rotes Gelé, einen roten Rock, rote Pumps, eine rote Tasche hing an ihrem Ellbogen und sogar ihre blickdichte Strumpfhose war rot. "Ich würde einen Plastikrasen suchen. Sie wissen schon, diese Quadrate, die man zusammenhängen kann. Haben Sie soetwas zufällig?" Die kleine Frau schüttelte berauscht von der roten Erscheinung stumm den Kopf. Ohne, dass sie großartig darüber nachzudenken schien sprudelte es weiter aus der Stewardess heraus: "Ich hatte auch mal so einen Wurm. Meiner ist mir aus dem Hintern gewachsen. Ich konnte mich jahrelang nicht richtig setzen. Aber naja, keine Zeit für Plaudereien. Ich brauche diesen Dings ... sie wissen schon, grünes Quadrat." Sie verabschiedete sich hastig und ging nach draußen.

Noch sieben Wochen danach beschäftigten die Altwarenverkäuferin diese drei eigentartigen Begegnungen – denn es waren die einzigen drei Menschen die ihren Wurm anscheinend sehen konnten – und sie beschloß ihren kleinen Laden zu verlassen, um den doch immernoch recht ekelhaften Wurm irgendwie loszuwerden. Sie hüllte sich in ihren hellgrauen Wollschal, der bei ihrer Körpergröße eher als Mantel diente, und verließ das Geschäft.

Sie verließ die Straße auf der ihr Geschäft war. Dann den Bezirk, in dem sich die Straße befand und schließlich auch die Stadt und dann das Land, in dem sie aufgewachsen war. Sie begegnete niemandem, der ihren widerlichen Wurm sehen konnte. Sie reiste durch ferne Länder und verdiente durch die verschiedensten Arten ihren spärlichen Lebensunterhalt. Manchmal bettelte sie auch. Als sie sich eines Tages in einem Land weit, weit weg erschöpft an den Straßenrand setzte um einen Moment zu verschnaufen, tauchte wie aus nem Nichts ein kleiner Roboter auf. Die ehemalige Atlwarenverkäuferin betrachtete die matellene Gestalt verwundert, aber mit müden Augen. Durch die Anstrengungen auf Reisen wirkte der Wurm noch schwerer, als in ihrem gewohnten kleinen Altwarengeschäft. Er war mittlerweile doppelt so groß, wie der Körper der kleinen Frau.

Eine Textzeile huschte über den Bildschirm auf dem Bauch des Roboters: „Wurmentfernung gegen Bezahlung“. Die graue Wollschalfrau wartete, bis sich die roten Buchstaben widerholten, um sicherzugehen, dass sie richtig gelesen hatte. „Wurmentfernung gegen Bezahlung“ und bevor sie klar denken konnte las sie es noch ein Mal: „Wurmentfernung gegen Bezahlung“. Ja, eindeutig. Die drei Worte liefen über die Vorderseite des kleinen Androiden. Sie stützte das schwere Ding vor Erschöpfung an einer Wand ab und mit einem Mal durchfuhr sie tiefe Trauer. Sie hatte nämlich nichts, das als Bezahlung dienen konnte. Das einzige, was sie noch besaß war der hellgraue Wollschal. Alles hatte sie in ihrem Laden zurück gelassen. Nichts hatte ihr bei ihrer Unternehmung, den schweren Wurm loszuwerden, nützlich erschienen. Sie hatte möglichst unbeschwert bleiben wollen. Der Wurm war ja immerhin schwer genug gewesen. Der Schal wärmte sie – ganz egal wo sie war. Der Roboter strich über die dicken Maschen des Schals, als könnte er die flauschige Oberfläche mit seinen leblosen Händen fühlen. Nein! Den Schal konnte sie nicht hergeben. Was hatte sie denn dann noch? Garnichts, sie wäre nackt, ihr wäre kalt.

Ohne, dass sich die kleine Frau auch nur irgendwie hätte sammeln können, verwandelte sich die Roboterhand in eine spitze Schere, schnitt der Frau den Wurm vom Kopf und verschlang ihn in seinen metallen glitzernden Schlund. Ohne zu zögern packte er mit der anderen Hand einen Zipfel ihres einzigen Besitzes und zerrte daran bis sie nach sieben Umdrehungen komplett entkleidet und allein an jenem Straßenrand stand. Denn so schnell wie der Androide aufgetaucht war, war er auch wieder verschwunden – mit ihrem Wurm in seinem Bauch und ließ sie zurück: entwurmt und nackt. Sofort wurde ihr kalt, aber ihr Kopf war leicht. Ihre Schultern waren entlastet. Ihr kleiner Körper stand gerade, ohne viel Anstrengung. Aber sie bekam eine Gänsehaut, die nicht mehr verschwinden wollte. Das Einzige, das sie nun brauchte, war ein neuer Wollschal. Und zwar schnell. Also machte sie sich auf, um geeignete Wolle aufzutreiben. Sie hatte keine Idee, wohin sie gehen sollte, aber sie setze den rechten Fuß vor den linken und den linken vor den rechten und immer so weiter.

Zuerst begab sie sich auf die Suche nach Schafherden, oder Baumwollfeldern, um sich Fäden für ihren neuen Wollschal zu spinnen. Sie traf Schafe, aber die wollten ihr nichts von ihrer warmen Wolle abgeben. Die Baumwollfelder, die ihr gezeigt wurden, waren verdorrt, sodass keine Baumwolle für ihren geplanten Wollschal übrig blieb. Irgendwann erzählte man ihr vom Land der bunten Tiere. Angeblich waren die bunten Tiere ein freundliches Volk und sehr hilfsbereit. Die Menschen konnten der kleinen Frau nur streckenweise den Weg weisen. Sie musste viele Umwege gehen, da die Wegweisenden meist selber nicht wussten, wie man dort genau hin kam. Doch schlußendlich landete sie doch in diesem wunderlichen Land.

Gleich beim überschreiten des Grenzpostens traf sie auf einen Panther. Er lag auf einem Granitfelsen und genoss die Wärme der herabgreifenden Sonnentrahlen. Die kleine Frau visierte seine Schwanzspitze an, um sich ein, oder vielleicht auch zwei der schwarzen Fellhaare herauszuzupfen. Es wäre ein guter Anfang gewesen. Es musste so wohlig warm sein da drinnen, in dem Fell des schwarzen Panthers. Sie wollte die Haare unbedingt. Doch noch bevor sie die Schwanzspitzenhaare auch nur berührte schlug der Panther die Augen auf. „Was willst du?“ – „Ein paar Haare von deinem Fell hätte ich so gerne. Sieh nur, ich bin nackt und mir ist kalt. Ich würde mir so gerne einen Wollschal stricken, aber die dummen Schafe wollen mir nichts von ihrer Wolle abgeben und alle Baumwollfelder sind verdorrt sodass nichts mehr für mich übrig ist. Also dachte ich, ich könnte vielleicht ein, zwei Haare von deiner Schwanzspitze haben.“ Der Panther zupfte mit einer Selbstverständlichkeit ein ganzes Haarbüschel aus seinen weichen Bauchhaaren und überreichte es der Frau. Er machte die Augen gleich wieder zu, legte seinen Kopf auf die Vorderpfoten und setzte sein Mittagsschläfchen fort. Die nackte Frau hätte gerne mehr mit ihm geplaudert, aber da er nun schlief setzte sie sich einfach neben ihm auf den warmen Granitfelsen und fing sogleich an einen Faden aus dem Haarbüschel zu spinnen, das er ihr gerade gegeben hatte. Als sie damit fertig war suchte sie zwei Holzstäbe mit denen sie die ersten Maschen bildete und weiterstrickte, bis nichts mehr von dem schwarzen Faden da war. Er erinnerte die Zwergin an den schwarzen Wurm, der ihr ein Mal aus dem Kopf gewachsten war und sie war froh, dass sie das grässliche Ding endlich hatte loswerden können. Das Gewebe, welches sich mit dem schwarzen Pantherhaarfaden ausging war, auch wenn sie es mit ihrem eigenen Haar verstrickt hatte, lediglich zu einer Kapuze geworden. Zumindestens reichte sie ihr bis zu den Schultern. So konnte man sie sogar vorne zubinden und dadurch den Hals wärmen. Die Frau steckte ihre neuen Stricknadeln zur Aufbewahrung in das Gewebe der Kapuze an ihren Hinterkopf, verabschiedete sich vom Panther und begab sich wieder auf die Suche.

Bald darauf traf sie auf ein Zebra, welches sich im fleckigen Schatten eines Baumes vor Beobachtern schütze. Sie strich über das gestreifte Fell auf dem Rücken des Tieres, bis sie ihre Finger in seiner schwarz-weißen Irokesenfrisur ruhen ließ. Das Zebra dachte schon lange über einen neuen Haarschnitt nach und nutzte die Gelegenheit. Es überließ der kleinen Frau bereitwillig einige Zentimenter seiner Haarpracht. Sie setzte sich neben den Schatten und das Tier in die Sonne und fing an den schwarz-weißen Haarhaufen zu einem Faden zu verarbeiten, während ihr das Zebra von seinem Leben erzählte. Den Faden strickte sie an die Kapuze, sodass sie nun auch für ihre Größe einen sehr kleinen Poncho mit Kapuze trug. Sie verstaute die Holzstäbe darin, verabschiedete sich von dem Zebra, bedankte sich für Faden und Geschichte, und begab sich wieder auf die Suche.

Diesmal verging eine ganze Woche, bis die ehemalige Altwarenverkäuferin wieder jemandem begegnete, der ihr helfen konnte. Sie erspähte das Baumkronenbett einer orangenen Orangutanmutter vom Boden aus. Das zottelige Fell, welches durch die Blätter blitzte war so wunderschön, dass die kleine Frau sogleich den Baumstamm bis in die Astgabel emporkletterte, wo die Affenmama bereits auf sie wartete. Sie sah der Orangutanfrau einige Stunden bei ihrem geschäftigen Treiben zu. Bald half sie ihr bei all ihren Tätigkeiten: sie beschäftigte die drei orangenen Orangutankinder, ging Bananenbrot für das Abendmahl pflücken, lauste die schönen Felle ihrer neuen Freunde, sammelte frische Blätter für das Blätterbett in der Astgabel und erhzählte den Kindern Gutenachtgeschichten. Die Orangutanmutter hatte dadurch viel mehr Zeit für sich selbst und wollte der Zwergin auch etwas zurück geben. Die kleine Frau bat natürlich um ein wenig von der wunderschönen, orangenen Orangutanmähne, die sie sogleich bekam. Sie spann den orangenen Faden daraus, strickte damit von den schwarz-weißen Schultern bis knapp über ihren Bauchnabel einen orangenen Schlauch, steckte die hölzernen Stricknadeln in das Gewebe und freute sich sehr über den neuen Teil ihrer wärmenden Bekleidung. Sie verabschiedete sich von der Orangutanfamilie und begab sich wieder auf die Suche.

Gleich als sie von dem Orangutanbaum herabgestiegen war kreuzte eine gelbe Gans ihren Weg. Die Gans blieb stehen, betratchtete die kleine, halbnackte Frau und war begeistert von dem Orange an ihrem Oberkörper. Das traf sich gut, dachte die Frau und bot der Gans einen Tausch an. Sie würde einen Teil des orangenen Orangutanfadens auftrennen und der Gans davon einen Halswärmer machen. Dafür sollte sie sich ein paar ihrer gelben Federn rupfen, damit sie zumindest ihren Bauch bedecken konnte. Die Gans willigte ein und die beiden machten sich an die Arbeit. Die Gans rupfte. Die kleine Frau strickte. Dann tauschten sie, die Gans verabschiedete sich und stolzierte mit gewärmt erhobenem Haupt von dannen. Die Frau jedoch, setzte sich neben den gelben Federnhaufen auf die Erde, spann ihn zu einem Faden, knüpfte diesen an das Orange ihres Oberkörpers und gelangte mit dem gelben Gansfaden strickend bis tief unter den Bauchnabel. So warm wie jetzt war es ihr schon lange nicht mehr gewesen. Sie war zufrieden und begab sich wieder auf die Suche.

Einige Tage vergingen bis die Zwergin zu einem riesigen, runden Zelt gelangte. Sie hob eine Plane zur Seite und linste in das Zelt. Es saß ein blauer Bär in der Mitte dieser Behausung. Neben ihm stand ein Plattenspieler und um ihn herum waren einige Plattenstapel aufgebaut. Die runden, schwarzen Vinylscheiben türmten sich nackt – wie der Unterkörper der kleinen Frau – um das dicke, blaue Tier und es lauschte den Tönen, die aus dem Gerät sprühten. Die Zwergin schritt durch die hohen Plattentürme hin zu dem so kuschelig aussehenden Bären. Sie setze sich neben ihn auf einen ornamentalen Teppich, machte die Augen zu und tat es dem Bären gleich. Bald schlief sie ein und der Bär deckte sie zu. Als sie aufwachte, schlief auch der Bär und sie nahm sich einfach ein gutes Büschel seines blauen Felles. Während er noch tief träumte, fing die fleißige kleine Frau schon zu spinnen und stricken an. Bis hinunter zu ihren Knöcheln gelangte ihr Gewand jetzt. Sie streichelte dem schlafenden Bären über den Kopf, verließ sein Zelt und begab sich wieder auf die Suche.

Weder ihre Füße, noch ihre Arme oder Hände waren bedeckt. Sie fühlte sich schon viel wohler und war all ihren bisherigen Weggefährten unendlich dankbar, doch sie wollte mehr. Mehr Wärme. Vollkommene Wärme.

Ihre Arme hüllte die ehemalige Altwarenverkäuferin in ein Gewebe aus grauem Giraffenhaar. Dazu kam die Frau, als sie gerade an einem Fluss Wasser trank. Die graue Giraffe plagte sich neben ihr, denn sie hatte gerade einen steifen Nacken und schaffte es nicht sich bis zur durstlöschenden Wasseroberfläche herunter zu bücken. Schluck für Schluck schöpfte die Zwergin das Wasser mit ihren kleinen Händen aus dem Fluss und brachte es vorsichtig in eine Höhe, die die Giraffe angenehm erreichen konnte. Das hell- und dunkelgrau gescheckerte Gewebe, das aus dem Giraffenfell entstand machte sich prächtig an den Armen der Zwergin.

Für ihre Füße und Hände fand sie einen roten Raben. Der Rabe war ab dem ersten Moment, den er sie erblickte begeistern von ihrem bunten Kleid. Sie verstanden sich prächtig und verbrachten mehrere Wochen gemeinsam. So konnte die kleine Frau im Laufe der Zeit immer wieder einzelne rote Federn des Raben ergattern, bis sie genügend zusammen hatte, um auch ihre Hände und Füße zu bedecken. Irgendwann trennten sich die Wege des Raben und der Frau. Also verabschiedeten sie sich voneinander.

Die Zwergin war nun wunderschön und zufrieden mit der bisherig getanen Arbeit. Sie betrachtete all die verschiedenen Flächen an ihrem Körper: das Schwarz des Panthers, ihre Schwarz-weißen Schultern vom Zebra, das Orange der Orangutanmama, das Gelb der Gans, das Blau des kuscheligen Bären, das Grau der durstigen Giraffe und bei dem Rot des Raben dachte sie wieder an die eilige, rote Stewardess, welche sie dazumal in ihrem geliebten, kleinen Laden besucht hatte. Nun fühlte sie sich gut vorbereitet für alles, was der Zufall für sie vorgesehen hatte.

Sie veranstaltete ein großes Fest für die sieben neuen Freunde zum Dank für ihre neue, bunte Schönheit. Es gab reichlich zu Essen und sehr guten Wein und der blaue Bär brachte seinen Plattenspieler und die besten Exemplare seiner Plattensammlung. Es wurde ausgelassen gefeiert und getanzt. Die Gastgeberin tanzte am ausgelassensten und schwitze gewaltig. Sie fing so stark zu glühen an, dass sich das Gewebe ihres Kleides – das sowieso schon an ihren Haaren mit ihr verbunden war – auch mit dem restlichen Körper verband. Die verschiedenen Materialien verschmolzen durch die enorme Hitze mit ihrer Haut und dem gesamten Rest ihrer selbst. Sie tanzte solange bis die Sonne aufging und noch viel, viel länger. Sie tanzte solange, bis sie sich erschöpft niederließ, wo sie die ganze Nacht getanzt hatte und fiel an genau diesem Fleck in einen tiefen Schlaf. Sieben Tage vergingen bis zu ihrem Erwachen und von da an lebte die kleine, bunte Frau glücklich, mit viel Kraft und Wärme, bis an ihr Lebensende.

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